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Titel:

Schwimmbad Heiden, nationales Kulturgut

Thema: Land

Ort: Heiden    (Karte anzeigen)
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Datum: --.--.1932

Masse: 13.5 x 21 cm

Standort: Gemeindearchiv Heiden

Urheber/-in:

Beschreibung:

Das frühe Farbfoto bildet das «Schwimm- und Sonnenbad» in Heiden, kurz nach seiner Errichtung ab. Die Momentaufnahme zeigt zahlreiche Badegäste beim Baden und Flanieren. Die Anlage besticht durch moderne technische Einrichtungen und kräftige Farbgebung. Die Eingangsfassade, sachlich gehalten aus Sichtbeton, schirmt von der Strasse ab. Der u-förmige Garderobentrakt mit 110 Einzelkabinen und die Freitreppen wirken leicht. Der Caféteriabau mit Turm erscheint wuchtiger. Der Erfrischungsraum besitzt grosse Schiebefenster, darüber befindet sich eine offene Terrasse. Der Bau weist auch im Detail viele farbige Elemente auf, so sind beispielsweise die Fliesen blau, zitronengelb, weiss und rot. Das «Badi» mit ihrer blauroten Fassade und der gehissten Schweizerfahne besteht noch heute in dieser Form und wurde als nationales Kulturgut neuen Bauens klassifiziert.

Geschichte:

Projekte zu einem Schwimmbad im Kurort Heiden datieren bereits aus dem 19. Jahrhundert. Während die Buben sich noch lange in den Feuerweihern des Dorfes tummelten, bestand auch eine bescheidene Badeanstalt am Rosenberg mit einem Bassin von 240 m2, die wegen der Geschlechtertrennung noch bis 1948 weitergeführt wurde.
Mit dem Schwimmbad sollte dem nach dem Ersten Weltkrieg nachlassenden Tourismus entgegengewirkt werden. Die Initianten des Projekts aus dem Kreis des Verkehrsvereins waren Ernst Klee, Dr. med. E. Streuli, Wilhelm Fleck, Conrad Sonderegger, Robert Weber und Johannes Züst. Sie bürgten auch für den Realisierungskredit.

Im Juli 1932 wurde das moderne, neue Schwimmbad in Heiden eröffnet. Es galt als das modernste seiner Zeit. Das grosse Schwimmbecken misst 50 x 18 m und ist 1-4 m tief, das anschliessende Kinderbecken immerhin noch 9 x 6 m gross ist 30-70 cm tief. Der Sprungturm misst 5 m, die Sprungbretter sind 3 und 1 m hoch. Das Frischwasser fürs Bassin und für die Waschgelegenheit wurde über die Dächer der Hochbauten geführt und so temperiert. In der Nacht erfolgte die Reinigung und die Zugabe von Chlorgas ins Bassin. Die Duschen waren bereits mit automatischen Ventilen versehen.

Verantwortlich für die architektonischen Besonderheiten war die Konzeption durch Ingenieur Beda Hefti. In der Badeanlage sollte beides - Aktivität und Musse - möglich sein, so das Konzept des Architekten, der in diesen Jahren im Bäderbau sehr bedeutend war. Das neue Schwimmbad in Heiden sollte dem Sport, der Erholung, der Gesundheit und Hygiene gleichermassen dienen.

1981 wurde das Ausgleichsbecken errichtet und neue Filteranlagen eingebaut, 1992 eine Solaranlage für das Badewasser und ein Jahr später eine neue Wasserreinigungsanlage installiert. 1997 ging die Schwimmbadliegenschaft an die Gemeinde über, die auch die Defizitgarantie für den Betrieb übernahm. Der Zustand der Badeanlage hatte sich bis in die 1990er Jahre aber verschlechtert, die dünnen Betonelemente waren korrodiert. 1998-2000 erfolgte eine Gesamtsanierung des unter Denkmalschutz stehenden Freibad Heiden.

Autorin: Gerda Leipold

Literatur:

Schwimmbad Heiden. Geschichte / Architektur. Zugriff am 28.02.2017. Verfügbar unter https://www.badi-heiden.ch/geschichte-architektur/

Schwimmbad-Genossenschaft Heiden. (1982). 50. Geschäftsbericht über das Geschäftsjahr 1981.

Gemeindearchiv Heiden:
Ebneter Adrian: Schwimm- und Sonnenbad Heiden, Gesamtsanierung/ Restaurierung 1998-2000, Dokumentation 1931-2000.
Kurzhals Harald, Beda Hefti, Architekt und Ingenieur, Die Schweizerische Schwimmbadentwicklung 1930-40, Diplomarbeit 1991.

Tags:

Heiden, Gesundheit, Architektur, Sport, Tourismus, Foto, Schwimmbad-Genossenschaft, Verkehrsverein, Moderne, Hefti Beda

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