Zeitzeugnisse

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Appenzeller Geschichten in Wort und Bild

«Zeitzeugnisse» entstand 2013 zum 500. Jahrestag der Aufnahme des Standes Appenzell in die Eidgenossenschaft.
Wir laden Sie ein, in der Appenzeller Geschichte zu stöbern oder ganz gezielt nach Themen, Orten oder Jahren zu suchen.

Lassen Sie sich inspirieren! Tauchen Sie ein in die Geschichte der beiden Kantone im Nordosten der Schweiz!

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Büchlein mit Umrechnungstabellen für Leinwandhandel  

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Titel:

Büchlein mit Umrechnungstabellen für Leinwandhandel

Beschreibung:

Ein sehr kleines, 134-seitiges "Leinwath Buechli" mit Umrechnungstabellen zu jeweils 10 bis 15 Ellen Leinwand zum Pfund (die Ostschweizer Tuchmanufaktur rechnete mit verschiedenen Ellen – für Leinwand mass die Elle 70-77 cm). Im Gebiet der Schweiz war das Pfund bis im Jahr 1877 die Gewichtseinheit von ca. 300-1000 g. Die erste Tabelle fängt mit der Einheit 30 pro Pfund an, die zweite Tabelle mit der Einheit 30 ½ pro Pfund – in diesen ½ Schritten gestalten sich die Tabellen im gesamten Leinwandbüchlein und hören bei der Einheit 100 pro Pfund auf.

Der Preis für die Ellen zum Pfund sind in der Trogner Währung Gulden, Kreuzer und Heller angegeben. Nebst der Trogner Währung ist in einer zweiten Tabelle die Währung in spanischen Dublonen zur gleichen Einheit pro Pfund angegeben.

Anhand eines konkreten Beispiels ist der Nutzen des Leinwandbüchleins folgendermassen zu verstehen: Ein Trogner Kaufmann verkauft seine Leinwand einem Käufer in der Südschweiz. In der Südschweiz gilt das oberitalienische Pfund à 313-385 g. Der Trogener Kaufmann kann deshalb laut seinem Leinwandbüchlein für 31 Einheiten pro Pfund für eine Leinwandlänge von 10 Ellen 20 Gulden, 51 Kreuzer oder 2 ½ spanische Dublonen, 1 Gulden, 41 Kreuzer verlangen. Wenn der Kaufmann aus Trogen aber im Welschland handelt, wo das Pfund à 488-578 g gilt, kann er für 48 Einheiten pro Pfund für eine Leinwandlänge von 10 Ellen 32 Gulden, 37 Kreuzer oder 4 spanische Dublonen, 1 Gulden, 57 Kreuzer einstreichen. Im Titeltext steht zudem, dass der Kaufmann vom Wechselkurs profitiert und ihm der  Restbetrag zugesteht: „Ein sehr nutzliches und ausgerechnetes Leinwath Buechli/nach Trogner Wehrung/Fuer das erste Wie vil Gulden/herracher Wie vil Doblonen Spanische: Da sol ein jeglicher nach dem Preiss und Mess sehen/da ist klar angezeiget/wie vil Guldi/wie ob verdeutet wie vil Spanische Doblen; Da ist alles abgezogen/was soll abgezogen seyn/und hinzugethan/was darzu gehöret: Nemlich eine Doblonen zu 7. Guldi 40. Kr. was sie aber mehrers
giltet/so vil Doblonen ein Leinwath=Tuch betrifft/so hört dem Kauff=herren zurück. Herausgegeben von Johannes Bruderer. St. Gallen/gedruckt bey Ruprecht Weniger/Anno 1752“

Das Leinwandbüchlein stellt eine Gebrauchsschrift dar, die Grösse spricht für den praktischen Gebrauch beim Handelsverkehr. Die Währungsangabe in spanischen Dublonen weist auf den Fernhandelsverkehr hin.

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