Zeitzeugnisse

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Appenzeller Geschichten in Wort und Bild

«Zeitzeugnisse» entstand 2013 zum 500. Jahrestag der Aufnahme des Standes Appenzell in die Eidgenossenschaft.
Wir laden Sie ein, in der Appenzeller Geschichte zu stöbern oder ganz gezielt nach Themen, Orten oder Jahren zu suchen.

Lassen Sie sich inspirieren! Tauchen Sie ein in die Geschichte der beiden Kantone im Nordosten der Schweiz!

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Lehr-Vertrag von Armin Fitze aus Bühler  

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Titel:

Lehr-Vertrag von Armin Fitze aus Bühler

Beschreibung:

Das Dokument besteht aus einem in der Mitte gefalteten grossen A3-Blatt mit vier beschreibbaren Seiten. Es ist ein Zeugnis, ein Typoskript, welches mit handschriftlichen Einträgen versehen wurde. Das Dokument wurde drei Mal gefaltet – die Faltung ist dementsprechend gut ersichtlich. Auf der Vorderseite, der Seite 1, wird der Titel des Dokuments genannt: „Lehr-Vertrag vom Verband Schweiz. Schreinermeister und Möbelfabrikanten“. Während drei Seiten und unter 18 Paragraphen werden der Lehrling, sein Lehrmeister und Vormund erwähnt, die Lehrzeit, Verpflichtungen seitens des Lehrmeisters und seitens des Lehrlings aufgelistet; Bezahlung des Schulgeldes, Kost und Logis erklärt und der Lohn festgelegt. Paragraph 10 regelt die Versicherung, Paragraph 11 die Arbeitszeit. Unter den Paragraphen 12-17 sind allgemeine Bestimmungen aufgelistet, während unter dem letzten und 18. Paragraphen die Unterschriften des Lehrlings, des Lehrmeisters, der Vormundschaftsbehörde und des Vormunds stehen.

Der Lehrlingsvertrag (Lehr-Vertrag) gehörte dem Lehrling Armin Fitze von Bühler, geboren am 21. Juli 1917.  Da Fitze im Waisenhaus in Gais aufwuchs, wurden seine Ausbildungskosten von der „Hilfsgesellschaft für Lehrlinge Bühler (App.)“ übernommen, die als sein Vormund fungierte. Die Vormundschaftsbehörde war das kantonale Lehrlingsamt App. A-Rh., welches den Vertrag am 25. Mai 1934 in Speicher genehmigte.

Als Lehrmeister wird der Schreinermeister U. Zürcher aus Herisau genannt. Er verpflichtete sich dazu, Armin Fitze für 3 ½ Jahre (vom 5. April 1934 bis zum 5. Oktober 1937) einzustellen und ihm einen Lehrlingslohn von Fr. 700.- in drei Raten je anfangs Juni 1934/35/36 zu bezahlen. Der Lehrmeister Zürcher war ausserdem für die Kost, Wohnung, Kleider und Wäsche seines Lehrlings verantwortlich. Im Gegenzug verpflichtete sich der Lehrling Armin Fitze zu einer Arbeitswoche von 50-60 Stunden und zu je sechs Tagen Ferien im ersten, zweiten und dritten Lehrjahr. Wie dem Dokument zu entnehmen ist, wurde von Armin Fitze vertraglich folgendes verlangt: „saubere Ordnung in Werkstatt und Zimmer, geschäftliche Verschwiegenheit.“ Ausserdem verpflichtete er sich dazu, jeden Tag um 21 Uhr zu Hause zu sein.

Das vorliegende Dokument wurde 1934 vervierfacht und am 15. Mai in Herisau und Bühler unterzeichnet. Je ein Exemplar erhielten der Lehrling Armin Fitze, der Lehrmeister U. Zürcher, die Vormundschaftsbehörde des Kanton Appenzell Ausserrhoden und die Hilfsgesellschaft für Lehrlinge Bühler (App.).

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